Im Südwesten: Reykjanes und Hvalfjörður
25. - 29. März 2026
Die Wettervorhersage verspricht nichts Gutes. Wind mit Böen in Orkanstärke und viel Schnee ist für morgen früh angesagt. Aller Voraussicht nach werden schon früh am Morgen, eventuell bereits in der späten Nacht große Teile der Ringstraße gesperrt werden. Ein Platz mit Windschutz muss her. Letztendlich scheint uns von unserem Standort aus der Campingplatz in Hveragerði geeignet. Also fahren wir dorthin. Es ist ein ziemlich großer Platz, sehr viele der Stellplätze sind von Dauer-Wohnwagen belegt. Aber einige sind frei. Man bucht sich über die App Parka IS für einen ganz bestimmten Platz ein. Dummerweise sind aber ein Teil der Plätze in der App anders nummeriert als auf dem Platz. Versuche, den Eigentümer/Verwalter (?) telefonisch zu erreichen bleiben leider erfolglos. So entscheiden wir uns schließlich für einen anderen als unseren Favoriten-Platz, da dieser wenigstens in der App und auf dem Platz die gleiche Nummer hat. Immerhin handelt es sich um einen „parzellierten“ Platz mit Abstand, das ist bei etlichen der übrigen zur Verfügung stehenden nicht der Fall. Dort stehen die Fahrzeuge abends dann auch dicht an dicht. Schön ist anders! Auf Campingplätzen in Island stimmt nach unserem Eindruck das Preis-Leistungs-Verhältnis absolut nicht. In der Regel treffen die Mietcamper bis spät abends oder sogar in die Nacht hinein ein, quetschen sich dann auch gerne in die kleinste Lücke. Türenknallen, über längere Zeit laufende Motoren etc. stören natürlich die Nachbarn überhaupt nicht. Dies erleben wir an beiden Abenden, die wir in Hveragerði verbringen. In die Lücke neben uns kann sich Gottseidank keiner zwängen, da dort eine Tisch-Bank-Kombination steht. Die Ausstattung auf den Campingplätzen ist meist sehr dürftig. So gibt es auch hier für den großen Platz gerade einmal je eine Herren- und Damentoilette sowie je eine Dusche, außerdem eine Behindertentoilette. Der Aufenthaltsraum ist offen, deshalb kalt und nicht sehr sauber, was vom dürftigen Küchenbereich noch übertroffen wird. Natürlich sind wir autark, aber die häufig sehr primitiven Mietcamper sind auf diese Einrichtungen angewiesen. Eigentlich ist es eine Frechheit, dass wir mit unserem autarken Fahrzeug viel Geld für etwas, das wir gar nicht benötigen, zahlen müssen. Positiv finden wir hier allerdings die sehr gute Recyclingstation und wie bereits gesagt unseren parzellierten Platz.












Wie angekündigt geht der extreme Wind am nächsten Morgen früh los, es schneit heftig. Wir stehen tatsächlich ganz gut geschützt und können das Unwetter so aussitzen. Und wie prognostiziert – große Teile der 1 sind geschlossen.
Nach zwei Nächten verlassen wir den Platz und fahren Richtung Reykjanes Halbinsel. Unterwegs ein kurzer Stopp an dem Kunstwerk Karlsminni, wo wir dann auch noch eine sogenannte Lavablase vorfinden.



An der Strandarkirkja weht immer noch ein heftiger Wind, auf dem Meer tobt eine heftige Brandung. Im etwas geschützteren Bereich direkt am Strand halten sich viele Seehunde auf, wobei die starken Böen das Fotografieren etwas erschweren.
Die Islandpferde entlang der weiteren Strecke stehen alle mit dem Hinterteil in den Wind gedreht, die einzige Möglichkeit, sich etwas zu schützen.
Wir fahren einige Abzweigungen in der schönen Lavalandschaft, allein zum Wandern ist es uns viel zu windig.
Also weiter nach Grindavík. Wenn Ihr Euch wundert, dass wir so viel auslassen – erstens waren wir dort schon des öfteren, zweitens ist es wie gesagt für Besichtigungen viel zu windig, und drittens sind wir nicht bereit, den Parkgebühren-Wahnsinn mitzumachen. Bei Interesse schaut hier in unseren Bericht 2022.
Bei Grindavík fahren wir die sogenannte Schiffswrack-Route, eine Piste, die durch die Lavalandschaft zu Teilen von Wracks führt. Meist gibt es eine Infotafel, zu welchem Schiff das entsprechende Teil einmal gehört hat. Natürlich wäre es schöner, diese Runde zu wandern, aber jetzt nicht!
An den Rock Pools im Südwesten der Halbinsel bietet sich dann die Gelegenheit, wahre Riesenwellen an der Lavafelsenküste zu bestaunen. Die eigentliche Aussichtsplattform kann bei dieser Wahnsinns-Brandung gar nicht betreten werden.
Ein Thermalgebiet schauen wir uns doch noch einmal kurz an. Über einen holprigen Weg gelangen wir zur Thermalquelle Gunnuhver.
Auf unserer weiteren Strecke wissen wir, dass diese ein ausgezeichnetes Brutgebiet für verschiedene Vogelarten ist. Jetzt allerdings ist noch kein einziger Vogel zu sehen – noch zu früh!
Auch heute sollte es möglichst wieder ein windgeschützter Platz für die Nacht sein. Hier in der Gegend könnte der Campingplatz Sandgerði vielleicht diese Möglichkeit bieten. Diesen Platz hat man gegenüber unserem letzten Besuch 2022 verbessern wollen. Es wurden nummerierte Parzellen mit Grasstreifen dazwischen angelegt. Allein, alles ist viel zu eng und klein geraten. Ein normales Wohnmobil passt dort eigentlich nicht rein, obwohl diese Plätze nach Buchungsmaske für Camper bis 7 m vorgesehen sind. Für die Mikro-Mietcamper ist es so gerade noch geeignet, wenn auch der verbleibende freie Raum zwischen zwei Reihen sehr knapp ausfällt und das Ein-/Ausparken extrem schwierig macht. Auch hier muss der Platz über Parka IS gebucht werden, und zwar bevor man einfahren kann. Die Schranke öffnet sich erst nach der Registrierung, was ja eigentlich positiv ist. Wir belegen unseren gebuchten Platz, stellen aber später, als all die Mietcamper wieder einfallen, fest, dass sich daran anscheinend kaum jemand hält. Der Platz neben uns ist nach App nicht belegt, aber es steht jemand drauf. Na ja, soll uns nicht stören. Aber die Krönung kommt dann abends. Auf den schmalen Grasstreifen neben uns und dem Nachbarplatz quetscht sich einer der Mietcamper, rammt uns dabei fast – und das, obwohl viele Plätze frei sind und das Rasenstück natürlich keine Nummer hat. Unsere Leiter könnten wir nun gar nicht mehr anbringen, höchstens direkt auf den Minicamper aussteigen. Davon haben wir leider kein Foto. Nach unserem Hinweis, dass das so nicht geht, versucht der fähige Fahrer mit mehrfachem Abwürgen des Motors dann zurückzusetzen, rammt uns wieder fast, und stellt sich auf den Platz direkt hinter uns. Nun läuft der Motor, und läuft, und läuft, der Fahrer ist weg zum Sanitärraum. Nach längerer Zeit haben wir die Nase voll von dem Krach, wir packen zusammen, Peter geht zum nicht verschlossenen Fahrzeug und stellt den Motor ab. Mit viel Mühe und Rangieren kommen wir dann aus der Reihe heraus (gut, dass die vorderen Plätze jetzt noch frei sind) und nehmen einen der vielen freien Plätze etwas entfernt. Wenn sich hier keiner an den gebuchten Platz hält, warum dann wir!? Im übrigen ist auch hier auf dem Camping die Ausstattung wieder sehr mager. Die Sanitäreinrichtung für Frauen ist geschlossen, in der Männertoilette steht ein WC für Herren, eins für Damen zur Verfügung, was ja wohl ein Witz ist. Dazu kommt eine einzige Dusche! Küche Fehlanzeige, halboffener und damit kalter Aufenthaltsraum.


Morgens starten wir zeitig. An den Leuchttürmen von Garður ein kurzer Fotostopp, danach geht es nach Keflavik. Ein Großeinkauf steht an, außerdem wollen wir eine isländische Gasflasche besorgen. Bei der ausgeguckten N1- Tankstelle klappt das nicht, dort soll man fürs Parken bezahlen. An einer Tankstelle? Die spinnen!!! Später besorgen wir dann eine Plastflasche in Mosfellbaer, die wir angeblich in Egilsstaðir wieder zurückgeben können. Na, lassen wir uns überraschen.
Dann verlassen wir die Reykjanes Halbinsel. Wir fahren nicht durch den Tunnel am Hvalfjörður, sondern nehmen die Runde um den Fjord in Angriff, wo wir viele Singschwäne entdecken.
Der Wind frischt noch weiter auf, Schneetreiben setzt ein. Weiterfahren macht keinen Sinn, so dass wir in einem Wäldchen Schutz vor dem Sturm suchen. Später geht der Schnee dann bei steigenden Temperaturen langsam in Regen über.


Am nächsten Morgen ist der Spuk dann vorbei. Wir sind froh, dass der Schneeräumer bereits mehrfach gefahren ist, und so können wir auf vereisten Straßen unsere Fahrt um den Fjord fortsetzen. Wir bewundern gefrorene Wasserfälle. An der ehemaligen Walfangstation liegen zwei der Walfangboote auf Land und verrotten so langsam.


Bald ist Borgarnes erreicht, wo wir für günstige knapp 1,70 €/l tanken, bevor es weiter auf die Snaefellsnes Halbinsel geht.

Weiter geht es mit Snaefellsnes-Halbinsel











