Ein Kurztrip in den Naturpark Hümmling: Urwald, Moore und mehr
20. - 24. September 2026
Eigentlich sollte am 23. September unsere diesjährige Wintertour starten, auch diesmal wie im letzten Jahr eine dreigeteilte. Zunächst war eine Herbstrunde in Schottland angedacht mit anschließender Fortsetzung in Irland. Von dort wollten wir dann die Fähre nach Nordspanien nehmen, um die abgebrochene Tour vom letzten Jahr fortzusetzen. Und danach – das hätten wir spontan entschieden. Doch es kommt anders.
Aus gesundheitlichen Gründen müssen wir die gebuchten Fährfahrten stornieren, haben aber vor anstehenden Terminen zumindest noch ein paar Tage Zeit, die wir für einen Kurztrip in Deutschland nutzen. Es geht ins nahegelegene Emsland, wo wir im Naturpark Hümmling uralte Kulturdenkmäler, Zeugnisse der Geschichte sowie eindrucksvolle Natur abseits überfüllter Touristenpfade vorfinden. Doch seht selbst.
Erstes Ziel ist der Erinnerungsort Wahn.
„Auf den Spuren der Vergangenheit in dem ehemaligen Hümmlingdorf Wahn
Eine prachtvolle Barockkirche von Johann Conrad Schlaun, vier Gaststätten, ein Bahnhof, eine Molkerei, ein Sägewerk, etliche Bauernhöfe und mehr als 1.000 Einwohner: Noch in den 1930er-Jahren war Wahn ein blühendes, lebendiges Dorf am Rande des Krupp’schen Schießplatzes. Zwar hatte es schon während des Ersten Weltkrieges Überlegungen gegeben, dieses Waffen-Testgelände zu vergrößern und die Menschen aus Wahn zu vertreiben. In die Tat umgesetzt hat diesen Plan aber erst das NS-Regime: Bis 1943 war der letzte Einwohner Wahns zwangsweise umgesiedelt. Viele Gebäude – darunter die St. Antoniuskirche – wurden abgerissen, andere Häuser verfielen und bis 2005 war dichter Wald über die alte Dorfstelle gewachsen.Seit 2006 lassen sich auf einem 2,5 Kilometer langen Rundweg die verbliebenen Spuren des Dorfes und die Geschichte des alten Wahn neu entdecken. Viele Helfer legten historische Straßen frei, brachten die Grundmauern der Kirche zum Vorschein und markierten zahlreiche alte Hofstellen. In einem Info-Pavillon sind ein künstlerisch gestaltetes Modell des Dorfes sowie Bilder, Info-Texte und Karten zu sehen.“ (Quelle: www.emsland.com)
Auch heute noch wird das Gelände von der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition der Bundeswehr als Schießplatz genutzt. Auf einem nicht zugänglichen und eingezäunten Gelände stehen 24 ausgediente Panzer, die wir deshalb nur mit dem Tele ablichten können.
Auf der Weiterfahrt entdecken wir unerwartet ein imposantes und ungewöhnliches Gebäude. Die rumänisch-orthodoxe Kirche in Sögel ist vollständig aus Holz gebaut und die größte in Deutschland. Leider bleibt uns nur der Blick von außen, da sie verschlossen ist.
Die sogenannte Straße der Megalithkultur soll uns dann zu unserem ausgesuchten Stellplatz für heute bringen. Aber natürlich halten wir an einem Großsteingrab am Wegesrand an. Das Hünenbett Düvelskuhlen ist eines von drei Hünenbetten des Emslandes. Den Rest des Tages verbringen wir dann auf dem kostenlosen Stellplatz des kleinen Dorfes Stavern.
Am nächsten Tag hat der MAN Ruhepause. Wir wandern vom Stellplatz aus los, folgen den gut beschilderten Wanderwegen des Hümmling. Vorbei an der Ruine der Windmühle Bruneforth erreichen wir ein weiteres Großsteingrab. Das Megalithgrab auf Bruneforths Esch wird als eines der schönsten des Hümmling beschrieben.
Ein Abstecher vom Wanderweg bringt uns danach zur Wassermühle Bruneforth, die nach einem Brand 1974 originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Die Weidenkirche wurde von der Staverner Jugend errichtet und ermöglicht Gottesdienste in schöner Umgebung inmitten der Natur.
Heute haben wir uns eine längere Rundtour vorgenommen, und so wandern wir durch schöne Landschaft vorbei am Grabhügelfeld in den Dünentannen mit heute noch erhaltenen 20 Hügeln. Dieses Feld ist deutlich jünger als die Großsteingräber, man geht davon aus, dass die Stätte aus der Bronze- oder der Vorrömischen Eisenzeit stammt. Die Großsteingräber Deymanns Mühle sind dann wieder deutlich älter.
Weiter geht es über das Flüsschen Nord-Radde durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend. Die zahlreichen teils sehr großen Pilze zeugen von den Regenfällen der letzten Zeit.
Das Grabhügelfeld Mansenberge mit 83 erhaltenen Hügeln liegt in einer Heidelandschaft, die jetzt leider nahezu verblüht ist. In voller Blüte müsste es hier bestimmt toll aussehen. Wahrsteene, ein letztes Großsteingrab für heute schauen wir noch an, bevor wir zum MAN zurückkehren.
Am folgenden Tag soll nun aber die Natur im Vordergrund stehen. Es geht ins Paradies, genauer gesagt ins Borkener Paradies nahe Meppen. Entstanden ist diese Hude- oder Hutelandschaft, die heute ein Schutzgebiet und von einem Altarm der Ems umgeben ist, durch die jahrhundertlange Beweidung eines Waldes. Die Blütezeit ist nahezu vorüber, so dass wir die hier auf Sandmagerrasen vorkommenden teils seltenen Blumen natürlich nicht mehr finden können, aber die knorrigen alten Eichen und die Flusslandschaften gefallen uns auch so.
Ein Highlight für uns ist aber die Wanderung zu den Baumriesen des Tinner Loh, ebenfalls ein Hutewald, aber von ganz anderer Art. Einige hundert Jahre alte Baumriesen, zumeist Buchen, sind hier zu finden, viele von ihnen bewachsen mit den unterschiedlichsten Pilzen. Leider ist das Wetter, und damit das Licht nicht optimal, aber tief beeindruckt verlassen wir diesen urwüchsigen Wald.

Noch ist nicht Schluss für heute. Eine ganz besondere Mühle steht noch auf unserem Plan. Aber vorher warten an der Straße der Megalithkultur noch einige weitere Großsteingräber auf uns: das Königsgrab, eine rekonstruierte Grabanlage sowie das sogenannte Wappengrab.



Die Hüvener Mühle ist eine der wenigen in Europa noch existierenden kombinierten Wind- und Wassermühlen. Jetzt in der Nebensaison ist die Mühle nur an wenigen Tagen geöffnet, heute geschlossen, aber da an den Windmühlenflügeln gearbeitet wird, können wir zumindest einen kurzen Blick hinein werfen.
Die Nacht haben wir wieder in Stavern verbracht, von wo wir am nächsten Tag für eine weitere Wanderung zum Theikenmeer fahren. Das Theikenmeer mit den angrenzenden Moorflächen und Feuchtwiesen ist ein bedeutendes Naturschutzgebiet. Die Natur- und Geoparkstation ist leider geschlossen. Wir wandern zunächst auf dem Kranichpfad zum Aussichtspunkt Wehmer Dose mit gutem Blick auf das Theikenmeer sowie auf wiedervernässte Hochmoorflächen. Für die guten Vogelbeobachtungsmöglichkeiten sind wir jetzt zur falschen Zeit unterwegs. Dafür entdecken wir aber tierische Helfer, die zum Erhalt des Schutzgebietes beitragen. Die schottischen Hochlandrinder leben das ganze Jahr über draußen.
Die längere Theikenmeer-Runde finden wir dann nicht mehr ganz so spannend, auf den Feuchtwiesen ist einfach zu wenig los. Ganz interessant ist aber der Blick vom Bernhard-Grzimek-Turm, wo man eine gute Übersicht des Gebiets erhalten kann.
Heute fahren wir zu einem anderen kostenlosen Stellplatz, da dieser näher zu unserem morgigen Ziel liegt. Da die von uns ausgesuchte Zufahrt zum Bockhorster See wegen Bauarbeiten gesperrt ist, wir eine zweite aufgrund von Gewichtsbeschränkungen nicht fahren dürfen, müssen wir einen Umweg wählen. Und genau wegen dieser Sperrung fahren auf der ansonsten wohl weniger befahrenen Straße direkt neben dem Stellplatz ein paar Autos mehr. Deshalb werden wir auch morgen zu diesem ansonsten schönen Platz nicht zurückkehren.
Die Begräbnisstätte Esterwegen im Norden des Hümmling wurde 1933 für die Toten mehrerer Konzentrationslager angelegt. Später wurden hier auch Widerstandskämpfer beigesetzt. Die zahlreichen Opfer des Nationalsozialismus wurden hier in Einzelgräbern bestattet.
Nicht weit entfernt befindet sich ein weiteres Mahnmal.
„Die Gedenkstätte Esterwegen ist ein europäischer Gedenkort, der an alle 15 Emslandlager und ihre Opfer in den Jahren 1933 bis 1945 erinnert. Die Hauptausstellung dokumentiert die Geschichte der Emslandlager im Zusammenhang mit der Geschichte des „Dritten Reiches“. Im Mittelpunkt stehen dabei die damaligen Häftlinge, deren Zwangsarbeit im Moor sowie das Leben und Leiden in den Lagern.Auf dem Außengelände macht die Landschaftsgestaltung die Spuren des früheren Lagers kenntlich und übersetzt nicht mehr sichtbare Teile der Lagertopographie, die für Gewalt und Bedrohung stehen, mit Stahlelementen in eine moderne Formensprache. Die Standorte der früheren Baracken werden durch „Baumpakete“ visualisiert. Mit der Überschotterung des ehemaligen Häftlingsareals durch Lava soll eine rotbraune Moorlandschaft angedeutet werden.Die Gedenkstätte setzt ein Zeichen gegen Diktatur, Gewaltpolitik und Terror, gegen Nationalismus und Rassismus. Sie fordert auf zum Engagement für Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie.“ (www.emsland.com)
Im angrenzenden Melmmoor interessiert uns der MoorInfoPfad Esterwegen. Insgesamt gibt es 17 Stationen mit Informationen zu diesem Lebensraum.
Da wir nicht zum Bockhorster See zurückkehren wollen, fahren wir ein Stück Richtung Zuhause. Auf dem ordentlichen Womo-Stellplatz in Scharrel mit recht großzügigen Plätzen verbringen wir eine ruhige Nacht, bevor wir uns notgedrungen auf den Heimweg machen.
Insgesamt hat uns der Naturpark Hümmling sehr gut gefallen, es gäbe auch noch viel zu entdecken und zu unternehmen. Wir sind sicherlich nicht das letzte Mal hier unterwegs gewesen, sondern nehmen uns fest vor wiederzukehren, ist es doch für uns keine weite Anreise.
