Neufundland 4: Der Osten - Burin und Avalon-Halbinsel

30. Juni 2016

Unsere Fahrt auf der Burin-Halbinsel beginnt leider mit Regen und Nebel. Viel zu sehen ist von der schönen Landschaft nicht. So haben wir halt Zeit zu kochen und hoffen auf den Rückweg, denn wie so oft, werden wir größtenteils die gleiche Strecke wieder zurückfahren müssen. Aber die zahlreichen Schilder, die auf das Dumping-Verbot hinweisen, sind trotz Nebel gut zu erkennen. Leider zeigen sie hier, genau wie in den anderen bisher von uns besuchten Gebieten, nur wenig Wirkung. Überall dort, wo Fahrzeuge hinkommen, wird die Natur durch Abfall verschandelt. Schade, dass es angesichts der schönen Landschaften diesbezüglich anscheinend nur wenig Umweltbewusstsein gibt. Ein weiteres Phänomen sind die sogenannten "Protected Roads", entlang derer nicht ohne Genehmigung gebaut werden darf. Im Umkehrschluss heißt das für uns, dass andernorts jeder anscheinend machen kann, was er will, wovon die zersiedelte Landschaft Zeugnis ablegt. Aber der Neufundländer ist erfinderisch - wenn man nicht bauen darf, dann wird halt der Wohnwagen aufgestellt.

Weiter südlich ist das Wetter dann ein klein wenig besser. Die Küste ist ganz schön; wir finden sie aber nicht so interessant wie die bisherigen Küstenabschnitte, die wir gesehen haben. Allerdings gibt es nette kleine Orte, in Grand Banks viele alte und teilweise recht stattliche Häuser. Gut gefällt uns die Küste am Fortune Head, die allerdings wegen der hier zu findenden Fossilien unter Schutz gestellt ist. Sehr schön ist die Küste im Umfeld der Ortschaft Burin.


Auch auf der Rückfahrt verschwindet die Tundra-Landschaft meist im Nebel. Wir sehen Elche, können sie aber nicht fotografieren. Als Ersatz nehmen wir dann halt die Elch-Figuren, die die Anwohner hier aufgestellt/gebaut haben. Die Karibous hingegen können wir trotz des schlechten Wetters ablichten.

Wir verlassen die Burin und werden nun die Avalon Peninsula besuchen. Da die Wettervorhersage für die nächsten Tage gut ist, fahren wir zunächst zum Cape St. Mary's. Nein, wir beschweren uns nicht schon wieder über die Qualität der Straßen, zumal die Zufahrt zum Vogelschutzgebiet relativ neu gemacht und von daher recht gut ist. Die ersten Schäden sind allerdings auch hier schon auszumachen.

Das Cape St. Mary's Ecological Reserve schützt unter anderem die zweitgrößte Brutkolonie von Basstölpeln in Nordamerika. Die größte findet sich hier: Atlantic Canada Außer Basstölpeln gibt es Lummen und Dreizehenmöwen, die hier ebenfalls nisten und bei denen immer große Aufregung ausbricht, wenn der Weißkopfseeadler vorbeifliegt. Einige wenige Tordalken wirken zwischen den Tölpeln etwas verloren.


Aber hauptsächlich beeindruckend sind die vielen Basstölpel. Wir bleiben insgesamt drei Tage hier in der Gegend und beobachten die großen Vögel aus der Nähe. Häufig sehen wir Paarungen, die recht ruppig wirken. Überall wird heftig an den Nestern gebaut, ausgebessert. Bei der drangvollen Enge sind Streitigkeiten an der Tagesordnung. Das Gewimmel in der Luft um den Felsen herum ist gewaltig, das Landen am richtigen Fleck gar nicht so einfach.


Viele sitzen bereits auf Eiern, die man nur dann zu Gesicht bekommt, wenn der Altvogel sich einmal für wenige Sekunden erhebt. Sogar einige wenige Junge gibt es bereits.

Abgesehen vom ersten Tag, an dem nach zwei, drei Stunden bei der Kolonie Nebel aufkommt, haben wir für diese Gegend außergewöhnlich Glück mit dem Wetter. In der Ferne (leider nur weit in der Ferne) sehen wir Wale vorüberziehen. Abends erleben wir schöne Sonnenuntergänge.


Auf der Weiterfahrt Wasserfälle und immer wieder Spuren der herbstlichen Jagdaktivitäten. Alle Schädel, die wir herumliegen sehen, stammen von männlichen Tieren - aber gejagt wird natürlich nicht wegen irgendwelcher Trophäen! Übrigens, den Kampf gegen unsere Funkuhr haben wir mittlerweile aufgegeben. Beharrlich stellt sie sich auf deutsche Uhrzeit ein. Und so stehen wir halt zumindest der Uhr nach erst mittags auf und gehen spät in der Nacht ins Bett.


Es geht zum Cape Race. Zu Beginn der Piste ein großer Warnhinweis; wir rechnen daraufhin mit sehr schlechter Wegstrecke. Aber auf erstaunlich guter Piste kommen wir zügig voran. Auf der Strecke liegt das Mistaken Point Ecological Reserve mit eindrucksvoller Küste. Leider darf man dieses Gebiet alleine absolut nicht betreten, da dort sehr seltene Fossilien zu finden sind. Ein Besuch ist nur auf einer "guided tour" möglich.


Bald ist das Cape Race erreicht. Wir sind völlig alleine hier, streifen trotz des heftigen Windes lange umher. Den Nachbau der Myrick Wireless Station - in dieser Station wurden seinerzeit die Notrufsignale der Titanic zuerst empfangen und Hilfsmaßnahmen eingeleitet - können wir leider nicht anschauen, wie so oft bisher ist es "closed for the season". Aber unsere frühe Reisezeit hat viel mehr Vor- als Nachteile (so gut wie keine Touristen, keine black flies!!!, viele, viele Eisberge - um nur einige zu nennen), so dass uns dies nicht besonders stört. Störend ist allerdings der heftige Wind, der hier tobt, weshalb wir ein gutes Stück zurückfahren und uns dort erst einen Nachtplatz suchen, wo es in der Nacht einen sogenannten "Erdbeermond" gibt.


Am nächsten Morgen stellen wir dann fest, dass das eine gute Entscheidung war. Alles versinkt im Nebel. Was wäre das für ein Getröte am Kap gewesen! Bald reißt es aber wieder auf, die Sonne scheint. Heute bleiben wir zum ersten (und einzigen) Mal auf Neufundland auf einem Campground im La Manche Provincial Park. Wir müssen endlich mal wieder Wäsche waschen, da kommen uns die Waschmaschinen und Trockner hier gerade recht. Außerdem wollen wir im Park wandern.

Die Wanderung zu der Hängebrücke unternehmen wir dann am nächsten Morgen, bevor wir uns auf den Weg zum Cape Spear machen. Unterwegs hübsche Fischerdörfer.

Cape Spear ist der östlichste Punkt Nordamerikas. Wieder einmal erleben wir, wie schnell das Wetter sich hier ändert. Mal Sonne, mal Nebel in teilweise blitzschnellem Wechsel.


Der alte Leuchtturm (an den roten Stühlen kommen wir natürlich nicht vorbei!) kann von innen besichtigt werden und vermittelt einen Eindruck von der Lebensweise der ehemaligen Leuchtturmwärter.


In der Nähe unseres Übernachtungsplatzes wundern wir uns (mittlerweile nicht mehr) über das Gerödel, das um viele Häuser herumliegt. Außerdem eins der allgegenwärtigen Schilder, die das Betreten verbieten, was eigentlich gar nicht zu dieser Provinz, die beispielsweise viele Gelegenheiten zum freien Übernachten bietet, passt.

Für die nächsten Tage ist Stadt angesagt - die Hauptstadt St. John's steht auf dem Plan. Hier besuchen wir die Anlagen des alten Fort Amherst und natürlich Signal Hill. Hier kann man den Cabot Tower besteigen, wo Marconi im Jahr 1901 die erste transatlantische Funknachricht empfing. Der Blick über die Stadt von hier oben ist sehenswert.


Wir besuchen das Geo Center, ein recht interessantes Museum. Hier findet sich u.a. eine sehr ausführliche, kritische Dokumentation zum Untergang der Titanic sowie anschauliche Ausstellungen zur Erdgeschichte und zur Geologie Neufundlands und Labradors.

Wir bleiben aber nicht allzu lange, denn wir wollen das gute Wetter lieber draußen verbringen, beispielsweise durch die Straßen mit den schönen bunten Holzhäusern bummeln. Überall finden sich Hinweise auf ein kommendes Ereignis - den 100. Jahrestag der Schlacht bei Beaumont Hamel an der Somme aus dem Ersten Weltkrieg, in der auch zahlreiche Neufundländer ihr Leben gelassen haben.

Die Küste entlang des Beginns des nordwestlichen Fingers der Avalon umrunden wir auf der Autobahn; sie ist uns zu sehr zugebaut. In Harbour Grace stoßen wir wieder auf die Küste, schauen uns hier die Statue für Amelia Earhart an, die 1932 als erste Frau in einem Soloflug den Atlantik überquert hat. Das Flugzeug, das hinter ihr steht, ist die 1943 gebaute Spirit of Harbour Grace, die lange Jahre in Neufundland geflogen ist und später als Geschenk an die Stadt gegeben wurde. Außerdem schauen wir uns das Hawthorne Cottage an, Wohnsitz des Polarforschers Captain Robert Bartlett. Wir durchqueren den "Finger" und gelangen bei Heart's Content an die nicht ganz so zugebaute Seite. In Heart's Content wurde seinerzeit das erste transatlantische Kabel, das Europa mit Amerika verband, an Land gebracht.

Bei schönem Wetter (Shortswetter!!!) verbringen wir einige Tage im nordwestlichen Bereich, wandern entlang der Küste oder sitzen einfach nur in der Sonne am Wasser und genießen die Zeit.



Danach fahren wir durch blühende Tundra-Landschaft und schauen uns noch Grates Cove und Red Head Cove an. Auch hier wieder der schnelle Wetterwechsel. In Bay de Verde regnet es, alles liegt im Dies, der sich auf der Fahrt in südliche Richtung nur zögerlich auflöst. Die bunten Hütten in Cavendish dann bereits wieder bei Sonnenschein.


Bald geht unsere Fähre von Argentia zurück nach North Sidney, Nova Scotia. Zuvor aber noch Gelegenheit, die Castle Hill National Historic Site, die Überreste einer französischen Festung aus dem 17. Jahrhundert. Der unterhalb liegende Ort Placentia war die ursprünglich französische Hauptstadt Neufundlands. Hier wurde zwischen Franzosen und Briten heftig um die Vorherrschaft in Neufundland gekämpft.


Anders als auf dem Hinweg sehen wir nun die Küste an unserem Stellplatz richtig. Die ersten Blumen blühen. Wir haben eine große Menge Fisch geschenkt bekommen - Fisch meint auf Neufundland eigentlich immer Cod = Kabeljau. Wir braten, dünsten, und um mal etwas anderes zu machen, probieren wir Fischburger aus. Sehr lecker!

Es ist angenehm warm. Die Freude hierüber ist aber nur von kurzer Dauer, denn bald zieht Nebel auf - und verzieht sich leider nicht mehr. Und so ist das Spektakel, das wir hier noch geboten bekommen, leider nur schwer zu fotografieren. Die Loddenschwärme sind eingetroffen und locken unzählige Vögel, Tölpel vor allem, an. Die Wasseroberfläche sieht teilweise aus, als würden viele Granaten einschlagen, denn die Basstölpel stürzen sich hier reihenweise kopfüber hinunter ins Wasser. Erstaunlich, dass das bei dem Gewimmel ohne irgendwelche Kollisionen abläuft.


Ein kurzes Fazit

Neufundland hat uns ausgesprochen gut gefallen. Das zeigt sich auch daran, dass wir mehr als fünf Wochen geblieben sind (und in dieser Zeit mehr als 5.000 km gefahren sind). Wir denken, dass der Zeitpunkt unseres Besuches genau richtig gewählt war. Es war zwar teilweise recht kühl, aber es gab auch Tage mit längerem Sonnenschein. Zu so früher Zeit gibt es noch zahlreiche Eisberge, die später im Jahr nicht mehr da sind. Black Flies, Mosquitos, Touristen und Womos sind nahezu nicht vorhanden. Man neigt dazu, die Entfernungen auf der Insel zu unterschätzen. Viele Strecken muss man halt einfach doppelt fahren. Sowohl die Küsten- als auch die Tundralandschaft im Landesinneren sind überaus eindrucksvoll.

Aber natürlich gibt es auch Negatives. Zwar hat Neufundland/Labrador insgesamt nur etwas mehr als 500.000 Einwohner, aber gefühlt sind es weit mehr. Denn irgendwie hat jeder Neufundländer eine Zweitwohnung, ein Zweithaus, eine Datscha - und wenn das nicht ist, irgendwo einen Wohnwagen stehen. Die Landschaft speziell in Seen- und Küstennähe ist teilweise extrem zersiedelt. Darüber hinaus scheint jeder mindestens ein ATV zu besitzen, womit man nervigerweise überall rumdüst (und die Landschaft zergurkt). Ein richtiges Umweltbewusstsein ist nicht vorhanden, was auch durch die vielen Abfallhalden bestätigt wird. Wir fühlen uns hierbei an lange zurück liegende Zeiten im Mittelmeerraum erinnert. Darüber hinaus kennen wir kaum ein zivilisiertes Land mit solch schlechten Asphaltstraßen, die dem Fahrzeug schon einiges abverlangen.

Trotzdem würden wir jederzeit wieder hierher zurückkehren. Die Freundlichkeit der Menschen ist schon nahezu einzigartig. Und auch die Natur hat viel Einzigartiges zu bieten - wir hoffen, das in unseren Berichten deutlich gemacht zu haben.



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